Proof of Life / Lebenszeichen

21.05.2017

20.05.2017 bis 25.02.2018  Weserburg | Museum für moderne Kunst

Der Turmbau zu Babel als Massaker. Der Künstler als toter Revolutionär. Ein Gotisches Fenster aus Schmetterlingsflügeln – «Proof of Life» vereinigt über 100 Gemälde, Skulpturen und Fotoarbeiten, die auf sinnliche und zugleich sinnstiftende Weise existentiellen Fragestellungen nachgehen. Ihre ästhetische Wucht zieht die Betrachter wie von selbst in den Bann. Das, was sie zeigen, knüpft an eine zum Teil weit zurückreichende Tradition wirkmächtiger Bilder an. Sie zitieren, verführen, irritieren, provozieren und thematisieren zugleich moralische Wertvorstellungen. Dazu gehört die Aufforderung, das Gesehene nicht nur historisch zu verorten, sondern auch ganz konkret auf die Gegenwart zu beziehen.


Ein zentrales Werk der Ausstellung ist der als lebensgroße Vollplastik reinszenierte «Tod des Marat». Auf beeindruckende Weise verschmilzt der britische Künstler Gavin Turk hier das bekannte Bild von J.L. David aus dem Jahr 1793 mit seinem Selbstbildnis. Während es David darum ging, Marat als Märtyrer zu schildern und revolutionäre Tugenden und Ideale zu überhöhen, verbindet Turk in seinem Selbstbildnis die aktuelle Bedeutung der Kunst mit dem Scheitern der Ideale der Aufklärung und der Freiheit.

«Proof of Life» stellt die Frage, ob und warum derartige im Gedächtnis verankerte Bilder heute noch relevant sind. Sie zeigt, wie markante Vor-Bilder auf überraschende Weise aktualisiert und in neue Bilderfindungen verwandelt werden. Die künstlerischen Resultate sind zugleich faszinierend und schockierend, die mit ihnen möglichen ästhetischen Erfahrungen vielschichtig und erkenntnisstiftend. Sie werden zu Dokumenten und Sinnbildern der heutigen Zeit und damit zu Lebenszeichen gegenwärtiger Kultur.

Jake und Dinos Chapman nutzen die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel als Parabel des Zerfalls aller kulturellen Gemeinsamkeiten. In Form eines Modells mit unzähligen, erschreckend gewalttätigen Figuren zeigen sie das biblische Bauvorhaben als Massaker. Damien Hirst trägt wiederum ein monumentales Kirchenfenster zur Ausstellung bei. Doch anstelle bleigefasster farbiger Gläser ließ er Tausende von buntglänzenden und fluoreszierenden Schmetterlingsflügeln verarbeiten. Wie verwandelt sich Schmerz in Schönheit, Vergänglichkeit in Dauer? Wie wird Materie in Geist überführt, der profane Schmetterling zum Sinnbild der Seele?

John Isaacs präsentiert eine 1:1 Adaption und Überformung der berühmten Pieta von Michelangelo aus Carrara Marmor. Das weltberühmte Motiv, die Madonna mit dem toten Körper Jesu auf dem Schoß, ist jedoch wie von einem dünnen Seidentuch bedeckt unserem Blick entzogen.

Künstler*innen: Louise Bourgeois, Berlinde de Bruyckere, Patrick van Caeckenbergh, Jake & Dinos Chapman, Anton Corbijn, Thierry de Cordier, Danny Devos, Tracey Emin, Tom Friedman, Line Gulsett, Damien Hirst, John Isaacs, Sergej Jensen, Anne-Mie van Kerckhoven, Anselm Kiefer, Wolfe von Lenkiewicz, Esther Kläs, Alastair Mackie, Christian Marclay, Kate MccGwire, Richard Prince, Leopold Rabus, Daniel Richter, Terry Rodgers, Andres Serrano, Stephen Shanabrook, Mircea Suciu, Gavin Turk, Jonathan Wateridge u.a.


Proof of Life / Lebenszeichen
Werke aus einer Privatsammlung
20. Mai 2017 bis 25. Februar 2018

Weserburg | Museum für moderne Kunst
Teerhof 20
D-28199 Bremen
T: 0049 (0)421 59839-0
F: 0049 (0)421 505247
E: mail@weserburg.de
W: http://www.nmwb.de


Öffnungszeiten

Di bis Fr 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr
Sa und So 11 – 18 Uhr

 


  • Gavin Turk: Death of Marat, 1998 (Detail); Privatsammlung
  • Wolfe von Lenkiewicz: Island of Death, 2011; Privatsammlung
  • Louise Bourgeois: Tėte V, 2004. Privatsammlung; © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  • John Isaacs: The Architecture of Empathy (Pietà), 2014; Privatsammlung
Weserburg | Museum für moderne Kunst
Teerhof 20
D-28199 Bremen
T: 0049 (0)421 59839-0
F: 0049 (0)421 505247
E: mail@weserburg.de
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