"100 Beste Plakate 16. Deutschland Österreich Schweiz" im Wiener MAK

17.10.2017

18.10.2017 bis 25.02.2018  MAK

Zeitgenössisches Plakatdesign hat deutlich mehr zu bieten, als Inhalte publikumswirksam für öffentliche Werbeflächen zu illustrieren. Wie avanciert konsumentenorientierte Gestaltung aussehen kann und wie viel Spielraum für subtilen Humor und versteckte Kritik grafische Umsetzungen am Plakat bieten, stellt «100 Beste Plakate 16. Deutschland Österreich Schweiz» auch 2017 unter Beweis. Mit der Ausstellung des beliebten Grafikdesignwettbewerbs, der heuer mit 2 116 Plakaten von 632 Einreicher*innen einen Beteiligungs-Rekord verzeichnet, liefert das MAK wieder einen Querschnitt der aktuellen Trends und Codes des Grafikdesigns.


Hundert heterogene Sujets und EinreicherInnen – vom studentischen Projekt bis zur Auftragsarbeit etablierter GrafikdesignerInnen und Agenturen – stehen sich als gleichwertige Gewinner gegenüber. Die von einer international renommierten Fach-jury prämierten Plakate und Plakatserien gehen auch heuer als Neuzugänge in die MAK-Sammlung ein. Nach Ländern gliedern sich die Gewinner in 52 Projekte aus der Schweiz, 46 aus Deutschland und – trotz abermaliger Steigerung der Einreicher*innen – nur zwei aus Österreich. Ihre Wahl hat die diesjährige fünfköpfige Fachjury – bestehend aus dem Vorsitzenden Alain Le Quernec (Quimper, Frankreich), Eva Dranaz (Wien), Markus Dreßen (Leipzig), Stefan Guzy (Berlin) und Martin Woodtli (Zürich) Ende Februar in Berlin getroffen.

Die Palette der hundert prämierten Projekte reicht von vorrangiger Produktwerbung bis zur Affiche mit pointiertem Witz oder politischem Hintergrund. Teils überraschen unkonventionelle grafische Lösungsansätze mit ihrer Interpretation klassischer Sujets. Bildflächen werden zu Crossovers, in denen historische Bildwelten zitiert, neu interpretiert und somit erlebbar gemacht werden. Neben der großen stilistischen Vielfalt, die die Ausstellung auch dieses Jahr wieder charakterisiert, sind heuer einige GewinnerInnen zu verzeichnen, die mit ihren hochqualitativen Einreichungen an Erfolge der Vorjahre anknüpfen konnten.

Unter den beiden Siegerprojekten aus Österreich findet sich ein im Wettbewerb schon bekanntes Gesicht: bereits zum dritten Mal konnte Benjamin Buchegger vom Atelier Beton (Wien, Salzburg, Leipzig) die Fachjury überzeugen. Buchegger, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert, hat für sein Plakat «Mai Frische» – getreu dem titelgebenden Motto – eine erfrischend bunte Farbgestaltung gewählt. Die dabei verwendeten kontrastierenden Farben der Typografie – Gelb, Blau und Rot – überschneiden sich und verlaufen ineinander. Ein alternatives Motto für dieses Plakat könnte daher auch «Vorsicht, frisch gestrichen!» lauten. Das Linzer Studio OrtnerSchinko hat mit seinen Plakaten für den Kulturverein Stadtwerkstatt eine Serie von zwei Konzertankündigungen für «The Future Sound» geschaffen. Die beiden in Schwarz und Weiß gehaltenen Plakate erinnern in ihrer Aufmachung an die Covergestaltung von Magazinen. Der Name des Top Acts des Abends wird durch Silbentrennung beziehungsweise Silbenvertauschung typografisch so gesetzt, dass der Schriftzug gegen unsere Lesegewohnheit erscheint.

Beinahe zu einer Tradition geworden sind die in den letzten Jahren mehrmals prämierten Plakate der – laut Eigendefinition – «hochkreativen Denkzellen» Rocket & Wink für die Getränkemarke fritz-kola. Der cartoonhafte Witz ihrer Plakate ist irritierend, aber dennoch allgemein verständlich. Ihr in kindlicher Manier gesetzter Duktus ist mit subtilem Humor durchsetzt, Produkt und Zielgruppe finden sich in harmonischem Einklang. Dass ein politisch motiviertes Plakat kaum Gestaltungsmittel benötigt, stellt das Plakat «Brexit» von Vinzent Britz unter Beweis. Er stellt die Farbe Blau, die an die EU-Flagge erinnert, aus der britischen Flagge einfach frei und gibt somit ein eindeutiges politisch motiviertes Statement ab, das leicht dechiffriert werden kann.


100 Beste Plakate 16. Deutschland Österreich Schweiz
18. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018
Eröffnung: Di 17. Oktober 17, 20 Uhr
MAK-Kunstblättersaal

MAK
Stubenring 5
A-1010 Wien
T: 0043 (0)1 711 36-0
F: 0043 (0)1 713 10-26
E: office@mak.at
W: http://www.mak.at


Öffnungszeiten

Dienstag 10 – 22 Uhr
Mi bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Thierry Bongard: Rigi. Projektauftrag an der Hochschule der Künste Bern. Druckerei der Hochschule der Künste Bern; Digitaldruck. © Thierry Bongard/ 100 Beste Plakate e. V.
  • Rebecca Wey, Elena Gabriel: Ida Lupino. Filmpodium der Stadt Zürich; Projektauftrag an der Zürcher Hochschule der Künste. Druck: Serigraphie Uldry AG, Hinterkappelen/ Bern, Siebdruck. © Rebecca Wey, Elena Gabriel/100 Beste Plakate e. V.
  • Benjamin Buchegger, Atelier Beton: Mai Frische. Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; Druck: Onlineprinters GmbH, Neustadt a. d. Aisch, Offsetdruck. © Benjamin Buchegger/ 100 Beste Plakate e. V.
  • Martin Denker, Klaudia Brawanski, Atelier Kosmos – Büro für visuelle Kommunikation: Goethe – Faust (Eine Tragödie). Eigenauftrag; Druck: Seltmann GmbH Druckereibetrieb, Lüdenscheid, Offsetdruck. © Kosmos/ 100 Beste Plakate e. V.
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