Open Codes. Leben in digitalen Welten

29.09.2017

21.10.2017 bis 05.08.2018  ZKM

Wir leben heute in einer globalisierten Welt, die von digitalen Codes kontrolliert und erzeugt wird. Von der Kommunikation bis zum Transport (von Menschen, Gütern und Nachrichten) wird alles durch Codes bestimmt. Eine neue Gleichung von Mathematik und Elektronik hat eine neue, auf Computerprogrammen basierende Welt hervorgebracht, die von IngenieurInnen, PhysikerInnen und InformatikerInnen geschaffen wird.


Von Leibniz’ Binärcode bis zum Morsecode, vom kosmischen Code bis zum genetischen Code – wir leben in einer Welt aus Codes. Die Ausstellung «Open Codes. Leben in digitalen Welten», die künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten versammelt, eröffnet die Möglichkeit, diese Welt zu verstehen. Die Ausstellung wird zeitgenössische Kunst und Wissenschaft an der Schwelle zu einer «Renaissance 2.0» präsentieren. «Open Codes. Leben in digitalen Welten» wird mithilfe von Codes kuratiert und erfordert ein neues Verhalten der BesucherInnen.

Die Ausstellung wird eine Mischung aus Labor und Lounge, aus Lernumgebung und «Club Méditerranée» sein. Mit unseren BesucherInnen wollen wir neue, vielleicht auch ungewöhnliche Formate von Bildung und Lernen erproben und in einer gelösten und das Lernen anregenden Atmosphäre neue Zugänge zum Wissen schaffen. Programmieren, Lernen mit Bots und anderen neuen Technologien sollen keine Schranke mehr darstellen, sondern jedem die Möglichkeit geben, das Dahinter unserer heutigen digitalen Welt zu verstehen. Ob bei freiem Eintritt zu Veranstaltungen, Snacks und Getränken im Museum oder dem selbstverständlichen Arbeiten im Museumsraum – als ein bildungspolitisches Experiment im Bereich Audience Development wird die Ausstellung das Leitbild musealen Ausstellens verändern. Das Museum wird sich für die BesucherInnen im wahrsten Sinne des Wortes lohnen.

In der Ausstellung präsentiert werden Kunstwerke und wissenschaftliche Arbeiten, die sowohl auf analogen wie auch auf digitalen Codes basieren. Die Arbeiten visualisieren und erklären die komplexen Dynamiken von Codes und wie diese zunehmend die Art und Weise, wie wir leben und die Welt sehen, gestalten. Die Ausstellung untersucht, wie Codes in unser Leben Einzug halten und welche Wissensstrukturen sie hervorbringen. Die gezeigten Arbeiten untersuchen die physikalischen und mathematischen Prinzipien, auf denen Codes basieren, und auch ihre materielle Implementierung in Mikrochips, Relais und Schaltkreise. Codes bestimmen zunehmend die Produkte, die wir kaufen, die Filme, die wir anschauen, sie registrieren jede unserer Handlungen und sehen dabei unsere Wünsche voraus.

Cerith Wyn Evans hat Kronleuchter so programmiert, dass sie blinkende Morsezeichen aussenden. Der Leuchter aus Muranoglas, der in der Ausstellung präsentiert wird, stammt aus einer Serie von rund 20 Exemplaren, die der Künstler bisher realisiert hat. Dieses Exemplar sendet auf einen computergesteuerten Flachbildschirm in Form von Morsezeichen Auszüge aus der von Siegfried Marx herausgegebenen Publikation «Astrophotography: Stages of Photographic Development» (1987). Neben der Präsentation historischer Vorläufer von Computeralgorithmen, welche die unmittelbare Anwendung des binären Codes zeigen, setzen sich andere Arbeiten mit den aktuellen und zukünftigen soziopolitischen Folgen auseinander, die Codes mit sich bringen.

Was passiert, wenn Menschen durch die Handlungen eines «Bots», durch Algorithmen, ihr Leben verlieren? Kann ein Bot vor Gericht gebracht und für schuldig befunden werden? Ist er für sein Handeln verantwortlich? Helen Knowles inszeniert einen Prozess, bei dem ein Superthunderbot, ein Computerprogramm aus dem Bereich des maschinellen Lernens, vor Gericht steht. Dieser Agent zeichnet sich dadurch aus, dass er seine algorithmische Sequenz unabhängig von menschlicher Überwachung selbst regulieren kann. Aufgrund der Aktionen des Algorithmus sind fünf Menschen während der Teilnahme an einer unkontrollierten klinischen Studie gestorben. Knowles Arbeit zeigt den fiktiven Prozess dieses intelligenten Algorithmus und wirft die Frage auf, wer für selbstlernende Softwareagenten zur Rechenschaft gezogen werden kann (Helen Knowles: The Trail of Superthunderbot, 2016).

Wenn Algorithmen des Mordes angeklagt werden können, dann können sie auch mit einem Zauber belegt werden. Mit dem Parnass im Hintergrund stellt James Bridle, ein britischer Künstler, der in Athen lebt, einem selbstfahrenden Auto eine Falle. Die Fotografie zeigt ein fahrerloses Auto auf einem Parkplatz, das in einem magischen Kreis aus Salz steht. Da eine künstliche Intelligenz wüsste, dass eine der wichtigsten Regeln im Straßenverkehr lautet, dass eine durchgezogene Linie, auf deren außenliegender Seite eine unterbrochene Linie verläuft, niemals überfahren werden darf, ist das Fahrzeug in einem heidnischen Ritus gefangen (James Bridle: Autonomous Trap 001, Performance-Dokumentation, 2017).

Manche Anwendungen binärer Codes, wie beispielsweise die Digitalisierung des Finanzsystems, setzen recht unerwartete soziale Phänomene frei: Das Künstlerkollektiv UBERMORGEN.COM thematisiert die Tatsache, dass die Volksrepublik China durch ihre Mining-Aktivitäten jüngst zum weltweit größten Bitcoin-Produzenten geworden ist. Mining ist aufwendig und macht allmählich eine neue Währung in einem Tempo verfügbar, das mit der Geschwindigkeit vergleichbar ist, mit der Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Diamanten, Nickel, seltene Erden, Silber, Uran und Zink gewonnen werden. Ein Grund für das schnelle Wachstum in China ist der Ausbau von Wasserkraft im Westen des Landes (UBERMORGEN.COM: Chinese Coin (Red Blood), Videoinstallation, 2015).


Open Codes. Leben in digitalen Welten
21. Oktober 2017 bis 5. August 2018
Eröffnung: Fr 20. Oktober 17, 19 Uhr
ZKM Lichthof 8+9

ZKM
Lorenzstraße 19
D-76135 Karlsruhe
T: 0049 (0)721 8100 1220
F: 0049 (0)721 8100 1139
E: info@zkm.de
W: http://www.zkm.de


Öffnungszeiten

Mi bis Fr 10 - 18 Uhr
Sa/So 11 - 18 Uhr
Mo/Di geschlossen

 


  • Can Büyükberber: Morphogenesis (2016). VR Installation, Still; © Can Büyükberber
  • Cerith Wyn Evans: Astrophotography- Stages of photographic development von Siegfried Marx (1987), 2006. Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection; Installationsansicht: The Kaleidoscopic Eye: Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Mori Art M
  • Clemens von Wedemeyer: Esiod (2015, 2016). HD Video, Farbe, Audio, 38min; © Clemens von Wedemeyer, VG Bild-Kunst, Bonn
  • Helen Knowles: The Trial of Superthunderbot (2016). Video Installation. Installationsansicht; © Helen Knowles
  • Barry Stone: Daily, in a Nimble Sea (2017). Digitale Drucke; © Barry Stone
  • Clemens von Wedemeyer: Esiod (2015, 2016). HD Video, Farbe, Audio, 38 min; Installationsansicht Hamburger Kunsthalle, 2016. © Clemens von Wedemeyer, VG Bild-Kunst, Bonn. Foto: Fred Dott
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