Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen

07.10.2017

27.10.2017 bis 18.02.2018  Neues Museum Nürnberg

Das Neue Museum Nürnberg zeigt ab dem 27. Oktober 2017 eine große Japan-Ausstellung. Sie handelt von der Kunst ein Teehaus zu bauen und lädt ein zu Streiftzügen durch die Welt der japanischen Ästhetik. Ausgangspunkt der musealen Entdeckungsreise ist das traditionelle japanische Teehaus, ein Ort spiritueller Praxis. Begründet wurde diese Praxis durch den berühmten Teemeister Sen no Rikyû (1522 – 1591), der die Teezeremonie als ein synästhetisches Ereignis verstand. Teehäuser, so Rikyûs Empfehlung, sollen betont einfach sein und aus Materialien bestehen, die dem Verschleiß und den Witterungseinflüssen kaum widerstehen können. Aus der japanischen Teekultur und ihrer Verbindung zum Zen-Buddhismus geht eine Ästhetik der Leichtigkeit, der Fragilität und des Ephemeren hervor, der wir Objekte von überwältigender Schönheit verdanken.


Die Ausstellung bietet neue Zugänge zu den essentiellen Gedanken einer ästhetischen Praxis der Transformation. In ihr wird das einfache Teetrinken zum zeremoniellen Akt. Alltägliche Verrichtungen und Gegenstände werden zum Ausgangspunkt einer Mediation über Materie und Zeit. Das hierfür geschaffene Teehaus ist der Ort einer raumzeitlichen Verdichtung. In ihm erhält das Banale Bedeutung und die alltägliche Einfachheit den Glanz des Besonderen. Die Teezeremonie suspendiert den Fluss der Zeit. Sie zelebriert den reinen, unwiederholbaren Moment. Ereignen kann sie sich jedoch nur, wenn die Mitwirkenden ihrerseits zu einer Selbst-Transformation bereit sind. Denn erst durch die Veränderung ihrer je eigenen Wahrnehmung wird der „Weg des Tees" zu einer ästhetischen Praxis, in der die strikte Trennung von Kunst und Leben überwunden wird.

In der Ausstellung werden die grundlegenden Gedanken der japanischen Tee-Ästhetik im Rahmen von sieben thematischen Sektionen entfaltet und erlebbar gemacht. Die in den Sektionen ausgestellten Werke aus Kunst, Architektur, Design und Fotografie sind Teil einer kulturgeschichtlichen Entwicklung. Die Autorinnen und Autoren der ausgestellten Werke vollbringen gewandte Transferleistungen: Im Dialog mit handwerklichen und gestalterischen Traditionen aktualisieren sie die zentralen Motive und Themen der Teekultur unter Verwendung aktueller Werkstoffe und innovativer Formen.

Die Sektion Flüchtigkeit und Impermanenz (Mujô) verweist auf die buddhistischen Wurzeln der japanischen Ästhetik, in der die Vergänglichkeit von Dingen Teil ihrer Schönheit ist. So gründet die Gestaltung des von Kengo Kuma erdachten Pavillon Hôjô-an ganz in der Fragilität von Materialien und konstruktiven Verbindungen. Die Werke von Atelier Bow-Wow und von Wajiro Kon in der Sektion Rekonstruktion und Dekonstruktion verweisen auf zyklische Prozesse, geprägt durch Zerstörung, Formverlust und Wiederaufbau. Katastrophen sowie ihre Überwindung werden hier zu Sujets künstlerischer Auseinandersetzung. Werke von Hiroshi Sugimoto und Yasuaki Onishi bereichern das Kapitel Fließende Grenzen durch Darstellungen von Stofflichkeit an der Grenze des Wahrnehmbaren.

Der Bereich Natur und Artefakt vereint Werke, die ihren ästhetischen Reiz aus dem Sichtbarmachen natürlicher Prozesse beziehen. Unter dem Titel Neues Handwerk sind Objekte versammelt, in denen Handwerkstraditionen von Jahrhunderte altem Bestand eine zeitgenössische Würdigung und Erneuerung erfahren. In der Sektion Der Wert der Unvollkommenheit bietet eine Aus-wahl von herausragenden Werken Einblicke in das breite Spektrum der zeitgenössischen japanischen Keramik. Vermittelt durch Werke textiler Kunst verweist die Sektion Schnitt und Kontinuität auf Vorstellungen von Ganzheit und Fragment als zentralen Gehalten der japanischen Ästhetik.


Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen
Exkursionen in die japanische Ästhetik
27. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018

Neues Museum Nürnberg
Luitpoldstraße 5
D-90402 Nürnberg
T: 0049 (0)911 24020-20
F: 0049 (0)911 24020-29
E: info@nmn.de
W: http://www.nmn.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
Montags geschlossen

 


  • Kengo Kuma: Pavilion 'Hojo-an', built for the 800 anniversary of Kamo no Chômei in Shimogamojinja Shrine, Kyôto, 2013; Foto: Kengo Kuma & Associates
  • Kengo Kuma: Pavilion 'Hojo-an'. To emphasize the idea of 'mobility,' the pavilion is made with a combination of ETFE sheets that can be rolled up and portable. Details of joints: wood and magnets; Foto: Kengo Kuma & Associates
  • Takahiro Kondo: 'Tsunami / Waves' series (Bowls), 2016. Marbleized porcelain, silver mist glaze; Foto: Thomas Svab (tbc)
  • Takano Bamboo: Traditional Tea box set; Foto: Takano Bamboo, Kyoto
  • Yasuaki Onishi: 'Reverse of volume RG', 2012; Foto: Nash Baker
Neues Museum Nürnberg
Luitpoldstraße 5
D-90402 Nürnberg
T: 0049 (0)911 24020-20
F: 0049 (0)911 24020-29
E: info@nmn.de
W: http://www.nmn.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
Montags geschlossen

 


artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.