Dunkirk - Die Schlacht von Dünkirchen

28.12.2017 Walter Gasperi

Leslie Norman zeichnet in seinem 1958 gedrehten Spielfilm die Ereignisse um die als «Operation Dynamo» in die Geschichte eingegangene Evakuierung von über 300.000 britischen Soldaten aus dem nordfranzösischen Dünkirchen im Mai 1940 nach. Bei Studiocanal ist dieser nüchtern inszenierte, aber spannende Kriegsfilm – wohl als Ergänzung zu Christopher Nolans «Dunkirk» – auf DVD und Blu-ray erschienen.


Während sich Christopher Nolan in seinem fulminanten «Dunkirk» ganz auf die Evakuierung der britischen Soldaten konzentriert, spannt Leslie Norman ein weiteres Netz. Überraschend ist dabei schon der Vorspann, wenn mit dem Logo des sonst für Glamour und Hochglanzwelten bekannten MGM-Studios ein Schwarzweißfilm eröffnet wird.

Das passt auch gut zum Archivmaterial, das in diesen Kriegsfilm vor allem in der Exposition eingewoben ist. Beides zusammen verleiht «Dunkirk - Die Schlacht von Dünkirchen» einen reportagehaften und nüchternen Anstrich. Von Anfang an pendelt Leslie Norman dabei zwischen zwei Schauplätzen, blickt einerseits auf die politischen Ereignisse in London, andererseits zeigt er ein Feldkino in Frankreich, in dem Soldaten über einen Cartoon über Hitler lachen.

Mit dieser Szene wird auch ein Trupp einer Handvoll britischer Soldaten eingeführt, die bald in Nordfrankreich von ihrer Kompanie abgeschnitten werden und sich unter Führung des Korporals «Tubby» Binns (John Mills) nach Dünkirchen durchschlagen müssen. Parallel dazu kristallisiert sich in London bei einer Pressekonferenz über die Entwicklung der militärischen Lage der Journalist Foreman (Bernard Lee) als zweiter Protagonist heraus.

Über Foreman, der entschieden für eine stärkere moralische Unterstützung der britischen Soldaten eintritt und das Desinteresse der britischen Bevölkerung am Krieg kritisiert, lernt der Zuschauer auch den Industriellen Holden (Richard Attenborough) kennen, der als Produzent von Gürtelschnallen vom Krieg profitiert. Patriot und Kriegsgewinnler treffen so aufeinander und es ist abzusehen, dass die dramatischen Ereignisse auch Holden zu einem Umdenken bewegen werden, denn schließlich wird er wie Foreman mit seinem kleinen Boot nach Nordfrankreich aufbrechen, um Soldaten zu retten.

Gesichtslos bleiben die Deutschen, ganz auf die Perspektive der Briten konzentriert sich Norman, der bei der Schilderung von Angriffen der Sturzkampfbomber auch auf Archivmaterial zurückgriff. Eindrücklich vermittelt er dabei in einem Angriff auf einen Flüchtlingszug, der Bombardierung einer britischen Artilleriestellung und dem Tod von zwei von Binns Männern die Schrecken des Kriegs.

Rund 80 – keinesfalls langweilige, sondern abwechslungsreiche und spannende – Minuten vergehen, bis erstmals der Strand von Dünkirchen ins Bild kommt, wenn einerseits der kleine Trupp um Binns und andererseits britische Boote dort ankommen.

Zusammengeführt werden damit auch die beiden Handlungsstränge.
Die Protagonisten dienen von nun an vor allem als Trägerfiguren, um in den folgenden 50 Minuten die Evakuierung von Dünkirchen, die so genannte «Operation Dynamo» möglichst realistisch zu schildern. Mit ikonischen Bildern, die man auch aus Nolans Film kennt, wie die gewaltige Menge von Soldaten am Strand, die im Wasser stehenden Soldaten, die Luftangriffe der Deutschen, das Warten auf den Holzpiers und die Bombardierung der Evakuierungsschiffe, arbeitet Norman hier.

Der Brite revolutioniert das Genre damit nicht, beschränkt sich auf die Nachzeichnung der Ereignisse, um am Ende aufzuzeigen – auch hier eine Parallele zu Nolan –, wie gerade dieses Desaster in England zu einem Stimmungsumschwung führte, die Grenzen zwischen Armee und Zivilbevölkerung wegwischte und das Volk im Kampf gegen das Nazi-Regime einte. Symbolisch vermittelt in der letzten Einstellung der Gang eines auf einem Kasernenhof exerzierenden Trupps aus dem Bild den entschlossenen Zug in den Krieg gegen Hitler.

An Sprachversionen bietet die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel und auch deutsche Untertitel für Hörbehinderte zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen ein Interview mit dem Schauspieler Sean Barrett, einen Wochenschaubericht über die «Operation Dynamo» sowie den wie die Wochenschau deutsch untertitelten Kurzfilm «Young Veteran», der von der schnellen militärischen Reifung junger Soldaten durch diese Kriegserfahrungen erzählt. Dazu kommen eine Bildergalerie und Privataufnahmen von Schauspieler John Mills.

Trailer zu «Dunkirk - Die Schlacht von Dünkirchen»

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