Draußen wartet der Tod – The Last Frontier

04.01.2018 Walter Gasperi

Ein Trapper heuert in einem Fort als Pfadfinder an, doch bald kommt es aufgrund des umbesonnenen Kommandanten, der rücksichtslos das Leben seiner Männer riskiert, zu Konflikten. Bei explosive media ist Anthony Manns 1955 gedrehter Western, der nicht nur mit prächtigen Landschaftsaufnahmen punktet, auf Blu-ray und DVD erschienen.


Der Diskurs über Zivilisation und Freiheit, der sich durch den ganzen Film zieht, setzt schon mit der Exposition ein: Drei Trappern werden hier von den Indianern ihre Gewehre, Pferde und Felle abgenommen. Im Grunde sind aber nicht sie das Problem, denn bisher ließen sie die Indianer ungehindert jagen, sondern das Vordringen der Armee, die auch in dieser Region ein Fort errichtet hat. Die Bedrohung des Lebensraums der Indianer wirkt sich so unmittelbar auf das Leben der drei Individualisten aus.

Ein echter Wilder ist der Trapper Jed Cooper (Victor Mature), hat noch nie etwas vom Christentum gehört, kennt keine Vorgesetzten und macht mehr oder weniger, was er will. Sein Versuch vom Fort den Verlust, der ihnen von den Indianern zugefügt wurde, ersetzt zu bekommen, scheitert verständlicherweise. Weil der Kommandant aber dem Trio ein Gehalt anbietet, wenn sie als Pfadfinder anheuern, bleiben Cooper und seine beiden Freunde dort.

Zivilisation, die hier mit dem Regelwerk der Armee und strenger Unterordnung verbunden ist, trifft so auf die Ungebundenheit und Individualität Coopers, der gleichwohl von den Uniformen fasziniert ist. Mit Captain Riordan (Guy Madison) und seinem Vorgesetzten Oberst Marston (Robert Preston), der bald von einem anderen, von den Indianern niedergebrannten Fort eintrifft, treffen aber auch zwei völlig unterschiedliche Offiziere aufeinander.

Während Riordan besonnen und mit Hausverstand agiert, Verständnis für Cooper zeigt, ist Marston ein brutaler Schinder, der die militärische Lage völlig falsch einsetzt und blindlings das Leben seiner Männer aufs Spiel setzt. Fast zwangsläufig muss es zwischen Marston und Cooper zum Konflikt kommen, der sich noch dadurch verschärft, dass sich Cooper in Marstons Frau Corinna (Anne Bancroft) verliebt.

Mit dieser kommt ein weiterer Aspekt des Diskurses über zivilisatorische Zwänge und Freiheit des Individuums ins Spiel, denn Corinna ist unglücklich in ihrer Ehe und schloss sie auch nicht freiwillig, sondern wurde von ihren Eltern früh Marston versprochen.

Zivilisation und Urzustand treffen aber auch mit den Schauplätzen aufeinander, wenn auf der einen Seite die offene Landschaft mit unberührten Wäldern und einem vergletscherten Berg im Hintergrund stehen und auf der anderen Seite das abgeschlossene quadratische Fort mit seinen Palisaden.

Es ist der Diskurs über dieses Spannungsfeld, das den Reiz dieses prächtig fotografierten Western ausmacht. An die großen Western, die Anthony Mann mit James Stewart drehte, reicht «Draußen wartet der Tod» aber nicht ganz heran. Denn das ist zwar zweifellos routiniert und schnörkellos inszeniert, beeindruckt mit langen Einstellungen, in denen viele Szenen gefilmt sind, lässt es aber insgesamt - nicht nur aufgrund des unpassenden Endes - an den Ambivalenzen und der Schärfe, die Manns Meisterwerke auszeichnen, vermissen.

An Sprachversionen bietet die bei explosive media erschienene Blu-ray und DVD die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie sowie Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.

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