Meine schöne innere Sonne – Un beau soleil interieur

19.12.2017 Walter Gasperi

In Claire Denis´ bittersüßer Komödie hält eine 50-Jährige Malerin am Traum von der großen Liebe fest, erfährt dabei aber nicht nur Glücksmomente, sondern auch Enttäuschungen. – Ein federleicht inszeniertes, melancholisches Vergnügen, getragen von einer großartigen Juliette Binoche, die immer wieder in einer einzigen Einstellung zwischen Lachen und Weinen wechselt.


Ein Liebesakt steht am Beginn, doch mehr körperliche Anstrengung als Lust vermittelt diese Szene. Im Blick auf die Körper ist das schon ein typischer Film von Claire Denis, die dieses Körperkino im Fremdenlegionsdrama «Beau Travail» zur Meisterschaft gebracht hat.

Mit dem Bankier Vincent (Xavier Beauvois) liegt die Malerin Isabelle (Juliette Binoche) in dieser Szene im Bett. Sie liebt den Mittfünfziger, obwohl er ein arrogantes Ekel ist und ihr erklärt, dass sie zwar eine bezaubernde Frau sei, seine Ehefrau aber außergewöhnlich sei und er diese niemals für sie verlassen werde.

So beginnt Isabelle bald eine Affäre mit einem Schauspieler (Nicolas Duvauchelle), doch dieser erweist sich nicht nur als Dauerredner, sondern auch als ziemlicher Spinner. So erklärt er ihr nach der ersten gemeinsamen Nacht, dass nun ihre Beziehung schon wieder aus sei, da nun die Vorfreude, die für ihn das wichtigste sei, vorbei sei.

Ihr Ex-Mann möchte sie zwar zurück und hin und wieder lässt sie sich auch mit ihm ein, weist ihn dann aber wieder zurück und auch ihre Beziehung zu einem einfachen Mann vom Land ist nicht von Dauer. Diesen redet ihr nämlich der Galerist Fabrice, der selbst an Isabelle interessiert ist, mit dem Hinweis auf das unterschiedliche Milieu und den unterschiedlichen Freundeskreis aus.

Wie Isabelle hier durch das Gerede von Fabrice gelenkt und irritiert wird, so hat sie zuvor schon die Erzählungen Vincents über die angebliche Beziehung ihrer Galeristin mit ihrem Ex-Mann verunsichert.

So erzählt Claire Denis, der als Inspiration für das Drehbuch, das sie zusammen mit der Schriftstellerin Christine Angot schrieb, Roland Barthes 1977 erschienenes Buch «Fragmente einer Sprache der Liebe» diente, nicht nur von Sehnsucht und Begehren Isabelles, sondern auch, wie sie durch das Gerede anderer beeinflusst wird.

Bestechend fängt Denis´ Stammkamerafrau Agnès Godard dieses Begehren ein. Hautnah ist ihre Kamera immer wieder an Juliette Binoches Gesicht, das manchmal in einer Einstellung zwischen Lachen und Weinen wechselt. In langen ruhigen Einstellungen, in denen viel geredet wird, lässt sie dem französischen Star viel Raum, so dass Binoche hier strahlen kann wie kaum je zuvor.

Aber auch die Körperlichkeit verstehen Denis und Godard wie nur wenige zu vermitteln. Herausragend ist hier eine Szene, in der Isabelle in einer Disco zu Etta James´«At Last - My Love Has Come Along» tanzt.

So steht eine Frau zwar im Mittelpunkt, doch es geht einzig um die Männer und das Liebesglück. Weder sieht man Isabelle nämlich ihrer Arbeit als Malerin nachgehen, noch kann man mehr als einen kurzen Blick auf ihre zehnjährige Tochter Cécile erhaschen, obwohl diese doch zeitweise bei ihr leben soll.

Typisch französische leichtfüßige Komödie und intelligenter Diskurs über die Liebe fließen so bis zur abrupten Wendung am Schluss bruchlos ineinander. Quasi aus dem Nichts taucht hier nämlich Gerard Depardieu als Wahrsager auf, der ebenfalls gerade eine Trennung hinter sich hat.

Das Glück kann er Isabelle in dieser hinreißenden, rund viertelstündigen Sitzung auch nicht versprechen, bringt Binoche aber mit dem Ratschlag «open» zu sein, sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen, sondern so zu leben wie man möchte, und dem Versprechen, dass eine neue Liebe kommen wird, nochmals so richtig zum Strahlen.

Kitsch könnte das sein, doch im fließenden Changieren zwischen Ernst und Ironie versprüht diese Szene wie der ganze Film einen Charme, der den Zuschauer mit einem Lächeln und einem Glücksgefühl das Kino verlassen lässt.

TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mi 20.12., 18 Uhr; Do 21.12., 20.30 Uhr; Fr 22.12., 22 Uhr; Sa 23.12., 22 Uhr; Mo 25.12., 18 Uhr (franz. O.m.U.)
Kinok St. Gallen: Fr 22.12., 19.30 Ur; Mi 27.12., 16.40 Uhr; Sa 30.12., 14.30 Uhr + weitere Vorstellungen im Januar 2018 (franz. O.m.U.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 24.1. 2018, 19 Uhr (franz. O.m.U.)

Trailer zu «Meine schöne innere Sonne»

TaSKino Feldkirch
Mühletorplatz 1
A-6800 Feldkirch
T: 0043 (0)5522 72 895
F: 0043 (0)5522 75 578
E: office@saumarkt.at
W: TaSKino Feldkirch
Kinok - Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7
CH-9000 St.Gallen
T: 0041 (0)71 245 80 89
F: 0041 (0)71 245 80 89
E: kinok@kinok.ch
W: http://www.kinok.ch
Galerie allerArt
Am Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
T: 0043 (0)664 500 55 36
W: www.allerart-bludenz.at


Öffnungszeiten

Mi bis So: 15 - 18 Uhr
weiterführende Links:

Meine schöne innere Sonne

TaSKino Feldkirch
Mühletorplatz 1
A-6800 Feldkirch
T: 0043 (0)5522 72 895
F: 0043 (0)5522 75 578
E: office@saumarkt.at
W: TaSKino Feldkirch
Kinok - Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7
CH-9000 St.Gallen
T: 0041 (0)71 245 80 89
F: 0041 (0)71 245 80 89
E: kinok@kinok.ch
W: http://www.kinok.ch
Galerie allerArt
Am Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
T: 0043 (0)664 500 55 36
W: www.allerart-bludenz.at


Öffnungszeiten

Mi bis So: 15 - 18 Uhr
weiterführende Links:

Meine schöne innere Sonne

ähnliche Beiträge:

Kino der Andeutungen, Blicke und Gesten: Die Filme von Claire Denis

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.