Altered States. Substanzen in der zeitgenössischen Kunst

15.05.2018

04.03.2018 bis 21.05.2018  Kunstpalais Stadt Erlangen

Seit jeher nehmen Menschen Substanzen zu sich, die nicht der Nahrungsaufnahme dienen – zur Heilung, zum Rausch, zur Bewusstseinserweiterung, in religiösen Ritualen, zur Selbstoptimierung, aus Protest und Langeweile. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich die Motive für den Konsum und damit die gesellschaftliche Bedeutung einer Substanz verändern können.


Galt «Pervitin» seit den 1930er Jahren als Wundermittel gegen verschiedenste Erkrankungen, ist Methamphetamin heute verboten. Wiederum früher ausschließlich als Pferdebetäubungsmittel eingesetzt, ist Ketamin heute nicht nur eine der populärsten Party-Drogen, sondern wird zunehmend bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt. Können sich Mädchen schon seit Jahrzehnten die Antibabypille auch gegen unreine Haut verschreiben lassen, kämpft die LGBTQI-Community heute weltweit für den legalen Zugang zu Hormonen.

Die sich wandelnden Kategorisierungen der einzelnen Substanzen als Pharmazeutika, Droge, Hormon oder Dopingmittel scheinen weniger den Effekten und Gefahren geschuldet zu sein. Vielmehr verbirgt sich dahinter neben individuellen Einstellungen und Schicksalen soziale Geschichte geprägt von Fragen der Rasse, Geschlechtlichkeit, Klasse und ökonomischen Interessen. Als Erbe des 19. und 20. Jahrhunderts bleibt der Diskurs um diese Stoffe geprägt von Machtregimen und Tabuisierungen. Die Omnipräsenz von Substanzen verlangt nach einer kritischen Befragung bis hin zu Revisionen des gesellschaftlichen Umgangs mit ihnen.

Die internationale Gruppenausstellung im Kunstpalais zeigt Künstler*innen, die sich in unterschiedlichsten Medien dem Thema Substanzen nähern. In Fotografie, Video, Plastik, Installation und Performance wir das diskursive Feld weit gesteckt. Es lässt Raum für Fragen nach Wirkungen und Potentialen verschiedener Substanzen, den Zusammenhängen zwischen Verbreitung von Stoffen und Marginalisierung von Minderheiten, wirtschaftlichen Interessen und hochprofitablen Schwarzmärkten sowie Subkulturen und deren kapitalistischer Vereinnahmung. In letzter Konsequenz geht es um das Verhältnis individueller Freiheit zur kollektiven Verantwortung, um Biopolitik und (Hetero)normativität. Die Ausstellung hinterfragt den gesellschaftlichen Umgang mit und die Sicht auf Substanzen kritisch und beleuchtet die globalen Konsequenzen wie möglichen Potentiale.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Daniel García Andújar, Cassils, Rodney Graham, Sidsel Meineche Hansen, Carsten Höller, Joachim Koester, Joanna Rajkowska, Thomas Rentmeister, Jeremy Shaw, Suzanne Treister und Mary «M.A.G.G.I.C.» Tsang


Altered States. Substanzen in der zeitgenössischen Kunst
4. März bis 21. Mai 2018

Kunstpalais Stadt Erlangen
Marktplatz 1
D-91052 Erlangen
T: 0049 (0)9131 86-2735
F: 0049 (0)9131 86-2117
E: info@kunstpalais.de
W: http://www.kunstpalais.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr
Mittwoch 10 - 20 Uhr

 


  • Mary Maggic Tsang: '1-800-Estrogen', 2017. Digitale Collage, Maße variabel; Copyright und courtesy the artist
  • Suzanne Treister: 'HFT The Gardener/ Botanical Prints/ Rank 4: Google • US • Software & computer services', 2014-15. Archivalischer Giclée-Druck auf Hahnemühle-Papier, 29,7 x 42 cm; Copyright and courtesy the artist
  • Jeremy Shaw: 'DMT', 2004. Videostill, Acht-Kanal-Video-Installation, zwischen 6:34 und 20:12 Minuten, Maße variabel; Courtesy the artist und König Galerie
  • Joachim Koester: 'The Morning of the Magicians' (hier: 'Room of Nightmares I'), 2005. Serie aus 10 C-prints, je 47,5 x 60 cm; Copyright und Courtesy the artist und Gallerie Nicolai Wallner, Kopenhagen
  • Daniel García Andújar: 'El Capital. The Commodity. The Drug', 2015. 514 farbige Digitaldrucke, je 13 x 18 cm; Copyright und Courtesy the artist
Kunstpalais Stadt Erlangen
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D-91052 Erlangen
T: 0049 (0)9131 86-2735
F: 0049 (0)9131 86-2117
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