Haegue Yang. ETA 1994-2018

03.08.2018

18.04.2018 bis 12.08.2018  Museum Ludwig

2018 zeichnet die Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig Haegue Yang mit dem Wolfgang-Hahn-Preis aus. Mit der weltweit ersten Überblicksausstellung der Künstlerin präsentiert das Museum Ludwig die Vielfalt ihres gesamten Schaffens anhand von über 120 Werken: von aktionsgebundenen Objekten der 1990er Jahre über Lackbilder, Fotografien, Papier- und Videoarbeiten, anthropomorphe Skulpturen und performative Werke bis hin zu raumgreifenden Installationen. Die Abkürzung «ETA» steht international unter anderem für «Estimated Time of Arrival». So verweist der Ausstellungstitel bereits auf eine künstlerische Laufbahn im Transit und die permanenten Ortswechsel einer Künstlerin, die parallel Ateliers in Seoul und Berlin betreibt und seit 1994 international ausstellt.


Den Auftakt der Ausstellung bildet Yangs erste Jalousieinstallation aus ihrer «Series of Vulnerable Arrangements» - die Version Utrecht von 2006. Die verschiedene Medien und Materialien umfassende Arbeit ist durch den simultanen Einsatz von Wind, Düften, Licht und Wärme atmosphärisch und sinnlich aufgeladen. Innerhalb dieses Arrangements dokumentieren Videoessays die Streifzüge der Künstlerin durch unterschiedliche Städte der Welt und vermitteln in sehr persönlichen Kommentaren Gefühle von Heimat, Isolation und Ortlosigkeit, die das Unterwegssein mit sich bringt.

In einem Kabinettraum werden frühe, teils rekonstruierte Arbeiten gezeigt, die Yangs Auseinandersetzung mit der westlichen Kunstgeschichte von Duchamp über Fluxus bis hin zu institutionskritischen Tendenzen und der damals gegenwärtigen Kontextkunst offenkundig werden lassen. Diese Arbeiten werden, wie in ihren ersten Ausstellungen in den 1990er Jahren, im Raum inszeniert oder selbstironisch in Vitrinen wie in einem Archiv präsentiert.

Eine zentrale Arbeit der Ausstellung ist das «Storage Piece». Dieses Schlüsselwerk entstand 2004 in Folge einer finanziellen Notsituation und akutem Platzmangel als eine Ansammlung verpackter Arbeiten auf Europaletten. Das seitdem in mehreren Variationen ausgestellte Werk, dessen Gestalt sich auch in der Kölner Ausstellung in regelmäßigen Abständen verändern wird, ist repräsentativ für Yangs rigoros transitorischen Ansatz. Darüber hinaus ist es ein wichtiger Beitrag zur Konzeptkunst Mitte der 2000er Jahre sowie ein überzeugender Kommentar auf einen sich rasant verändernden Kunstmarkt und die zunehmende Ökonomisierung der Kunst.

Yangs bekannte anthropomorphe Lichtskulpturen sind beispielsweise durch die «Medicine Men» (2010) in der Ausstellung präsent. Diese bestehen aus einer Vielfalt an Materialien: funktionalen und industriell produzierten Alltagsgegenständen wie Kleiderständern, Glühlampen, Elektrokabeln und Party-Perücken. Yang selbst bezeichnet diese Skulpturen als «Schamanen» oder «Transvestiten» und verweist damit auf die geschlechtlich und gesellschaftlich uneindeutigen Rollen, in die Medizinmänner in den Naturreligionen schlüpfen. Außerdem werfen sie Fragen von Exotismus und kultureller Identität auf, die sich wie ein roter Faden durch das Werk Haegue Yangs ziehen.

Zudem wird Yang ihre Serie der «VIP's Union» (2001-) mit einer Kölner Fassung fortführen. Stadtbekannte Persönlichkeiten - V.I.P.s aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wie Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik - werden eingeladen, für die Dauer der Ausstellung ihren Lieblingsstuhl oder -tisch zur Verfügung zu stellen. Diese Ansammlung unterschiedlicher Möbel verdichtet sich zu einem Porträt der Stadtgesellschaft und ihrer häuslichen Vorlieben.

Im zwölf Meter hohen DC-Saal werden zwei aus Jalousien bestehende Arbeiten, «Mountains of Encounter» (2008) und Sol LeWitt «Upside Down - K123456, Expanded 1078 Times, Doubled and Mirrored» (2015), installiert. Erstmals werden in einem Raum zwei sehr unterschiedliche Typen von Jalousieinstallationen miteinander konfrontiert: Während «Mountains of Encounter» in Yangs Schaffen den Beginn einer ganzen Reihe strukturell komplexer Kompositionen in Bezug auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten markierte, basiert Sol LeWitt «Upside Down K123456, Expanded 1078 Times, Doubled and Mirrored» auf einer kubischen Struktur des Minimalkünstlers Sol LeWitt, die Yang nicht nur physisch vergrößert, sondern auch konzeptuell verdichtet, verdoppelt, spiegelt und zuletzt auf den Kopf stellt.

Mit ihrem vielseitigen CEuvre versteht es Haegue Yang, sich einer eindeutigen Zuschreibung zu entziehen. Ihre Arbeiten sind zum einen institutionskritisch, konzeptuell und reich an kulturhistorischen Referenzen sowie gleichzeitig sinnlich komplex und emotional aufgeladen. Auf über 1500 Ouadratmetern Fläche erstreckt sich eine umfassende Überblicksausstellung, deren räumliche Szenografie die konzeptuelle Dynamik der Arbeiten aufgreift. Hierdurch entsteht der Charakter eines Gesamtkunstwerks - in sich stimmig, aber voller Dissonanzen.

Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis zeichnet die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V. jährlich außergewöhnliche zeitgenössische Künstler*innen aus. Das Preisgeld in Höhe von
maximal 100.000 Euro fließt in den Erwerb eines Werks oder einer Werkgruppe des*der Künstler*in zugunsten der Sammlung des Museum Ludwig. Die Preisträger*innen werden außerdem mit einer Ausstellung im Museum gewürdigt.


Haegue Yang. ETA 1994-2018
Wolfgang-Hahn-Preis 2018
18. April bis 12. August 2018

Museum Ludwig
Bischofsgartenstrasse 1
D-50667 Köln
T: 0049 (0)221 221-26165
F: 0049 (0)221 221-24114
E: info@museum-ludwig.de
W: www.museum-ludwig.de


Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr
jeden 1. Do im Monat 10 - 22 Uhr

 


  • Mountains of Encounter, 2008. Gemeinsame Erwerbung der Gesellschaft für Moderne Kunst und des Museum Ludwig anlässlich des Wolfgang-Hahn-Preis 2018; © Haegue Yang. Foto: Fred Dott, Hamburg
  • Knotty Spell in Windy Acoustical Gradation, Detail, 2017; © Haegue Yang. Courtesy Galerie Barbara Wien, Berlin, Foto: Ketty Bertossi
  • Series of Vulnerable Arrangements – Seven Basel Lights, 2007. Installationsansicht, Seven Basel Lights, Art 38 Basel, Art Statements mit der Galerie Barbara Wien, 2007; © Haegue Yang. Courtesy Galerie Barbara Wien, Berlin; Foto: Photographic Services, Bas
  • Medicine Man – Indiscreet Other World, aus der Werkgruppe Medicine Men, 2010; Zabludowicz Collection, London. © Haegue Yang, Foto: Nick Ash
  • Porträt von Haegue Yang vor ihrer Arbeit Sol LeWitt Upside Down – K123456, Expanded 1078 Times, Doubled and Mirrored, 2015; Installationsansicht kurimanzutto, Mexiko-Stadt. © Haegue Yang. Courtesy kurimanzutto, Mexiko-Stadt, Foto: Abigail Enzaldo
Museum Ludwig
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D-50667 Köln
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