Crossing Europe 2018: Großes Filmprogramm zum kleinen Jubiläum

12.04.2018 Walter Gasperi

25.04.2018 bis 30.04.2018  

Mit seiner 15. Auflage feiert das Linzer Filmfestival Crossing Europe (25. – 30.4. 2018) ein kleines Jubiläum. Für sechs Tage laden dabei Festivalleiterin Christine Dollhofer und ihr Team mit einem 182 Filme umfassenden Programm auch heuer wieder zu einer Entdeckungsreise durch den jungen europäischen Autorenfilm ein. Aber auch Highlights der vergangenen Festivalsaison und das lokale Filmschaffen kann man in der Donaustadt entdecken.


Statt mit einem zentralen Eröffnungsfilm startet Crossing Europe auch heuer wie gewohnt mit mehreren Filmen, die auf die verschiedenen Programmsektionen einstimmen sollen. Während die Sektion «Europäisches Panorama Fiktion» mit «Jupiter´s Moon» des mehrfachen ungarischen Cannes-Teilnehmers Kornél Mundruczó gestartet wird, macht die semi-dokumentarische schwule Romeo-und-Julia-Geschichte «Soldiers. A Story from Ferentari» der Rumänin Ivana Mladenović den Auftakt des Wettbewerbs um den mit 10.000 Euro dotierten Crossing Europe Award.

Parallel dazu wird als erster Film der Sektion «Europäisches Panorama Dokumentarfilm» die politische Musik-Doku «Silvana» gezeigt, in der Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis die gesellschaftspolitisch engagierte schwedische Rapperin Silvana Imam porträtieren. Der Tribute, der dem Süditaliener Edoardo Winspeare gewidmet ist, der als maßgeblicher Vertreter des italienischen Neo-Neorealismus gilt, startet mit Winspeares 1996 gedrehtem Spielfilmdebüt «Pizzicata».

Den Auftakt der Sektion «Local Artists» wiederum macht «The European Grandma Project», für das acht gleichgesinnte Filmemacherinnen aus verschiedenen Ländern parallel ihre Großmütter porträtierten, während zu später Stunde zum Start der «Nachtsicht» bei «The Cured» blutdurstige Zombies Angst und Schrecken verbreiten dürften.

Unter den elf Filmen im Spielfilmwettbewerb kommt Hlynur Pálmasons düsterer «Winter Brothers» mit der Empfehlung mehrerer Auszeichnungen durch Nebenjurys beim letzten Filmfestival von Locarno nach Linz. Zu packen versteht auch «What Will People Say – Was werden die Leute sagen», in dem Iram Haq auf der Basis autobiographischer Erfahrungen von einem in Norwegen aufgewachsenen afghanisch-stämmigen Mädchen erzählt, das von seinem Vater zum Erhalt der Zucht zurück in ihre frühere Heimat gebracht wird. Differenziert leuchtet die Regisseurin das Spannungsfeld der Protagonistin aus, die zwischen Sehnsucht nach Freiheit und einem eigenen Leben und Liebe zu ihren in den Traditionen verhafteten Eltern steht.

Wenig lässt sich bislang über die weiteren Wettbewerbsbeiträge sagen, doch sie dürften mit ihrer großen geographischen Streuung von Schweden bis Italien und von Portugal bis Georgien wieder inhaltlich spannende und hoffentlich filmisch aufregende Einblicke in gesellschaftliche Verhältnisse im heutigen Europa bieten.

Elf Filme konkurrieren auch im Wettbewerb um den mit 5000 Euro dotierten Crossing Europe Social Awareness Award für den besten Dokumentarfilm. Hier spannt sich der Bogen von Integrationsfragen in «Zentralflughafen THF» über die Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus in «Montags in Dresden» bis zum Blick auf die Situation junger Menschen auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft in «Mr. Gay Syria» und «Nic Jako Driv».

Nicht weniger als 35 Filme, davon 24 Spiel- und 11 Dokumentarfilme kann man in der Sektion «Europäisches Panorama» entdecken. Durchaus bekannte Namen sind hier vertreten wie beispielsweise Joachim Trier, der mit «Thelma» einen visuell und atmosphärisch starken Mix aus leisem Horrorfilm und Coming-of-Age-Drama zeigt, Nanouk Leopold, die mit dem Jugenddrama «Cobain» vertreten ist, oder Sergej Loznitsa, der «A Gentle Creature – Die Sanfte» nach Linz bringt.

Auch Annemarie Jacirs «Wajib» und Serge Bozons «Madame Hyde», die letztes Jahr im Wettbewerb des Filmfestivals von Locarno ihre Weltpremiere feierten, kann man hier entdecken. Nicht übersehen sollte man freilich Christian Petzolds Anna-Seghers-Adaption «Transit», die bei der Berlinale sehr gut aufgenommen wurde und Crossing Europe heuer abschließen wird.

Die Sektion «Arbeitswelten» blickt unter dem Titel «Dreaming under Capitalism» mit vier Filmen auf das Spannungsfeld «Traum/Alptraum Arbeit», während die Sektion «Architektur und Gesellschaft» bei der Crossing Europe mit dem architekturforum oberösterreich kooperiert, mit sechs Filmen unter dem Titel «Raum, Macht, Kontrolle» das unterschiedliche Zusammenspiel von Raum und Macht beleuchtet.

Mit sechs langen Spielfilmen wird im Rahmen des Tribute Edoardo Winspeare gewürdigt, der 1965 in Klagenfurt geboren wurde, aber seit frühester Kindheit im süditalienischen Salento lebt. Die Sektion «Spotlight» stellt dagegen die rumänische Filmproduzentin Ada Solomon vor.

Spannung sollte aber auch bei den fünf Fantastischen Filmen garantiert sein, die der Filmjournalist und Festivalmacher Markus Keuschnigg für die «Nachtsicht» ausgewählt hat. Und dafür dass auch das regionale Filmschaffen nicht zu kurz kommt, wird die Sektion «Local Artists» mit einem umfangreichen Programm sorgen.

Wie gewohnt gibt es natürlich auch ein vielfältiges Rahmenprogramm, ausgebaut wurde das Angebot der Filmvermittlung für SchülerInnen und Lehrlinge, denen drei Sondervorführungen am Vormittag mit anschließender Diskussion mit den Filmschaffenden angeboten werden. Eigens konzipierte Schulmaterialien sollen die PädagogInnen bei der Vor- und Nachbereitung der Filme unterstützen.

  • Jupiter´s Moon (Kornél Mundruczó)
  • Pizzicata (Eduardo Winspeare)
  • The Cured (David Freyne)
  • Winter Brothers (Hlynur Pálmason)
  • What Will People Say (Iram Haq)
  • Thelma (Joachim Trier)
  • Transit (Christian Petzold)

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.