Sturmfahrt nach Alaska

16.08.2018 Walter Gasperi

Zwei sich bekämpfende Robbenjäger, eine russische Gräfin, die vor einer arrangierten Ehe flieht und das amerikanische Interesse am noch russischen Alaska – das sind die Ingredienzen, aus denen Hollywood-Altmeister Raoul Walsh 1952 einen nicht nur leichthändig und schwungvoll inszenierten, sondern auch visuell prächtigen Abenteuerfilm zimmerte. Bei Explosive Media ist die von antirussischen Tendenzen freilich nicht freie, aber immer noch großartige Kinounterhaltung auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Insert weist darauf hin, dass die USA dem Zarenreich 1867 Alaska abkaufen wird, als Wegbereiter wird der Robbenjäger Jonathan Clark (Gregory Peck), der allgemein «Der Boston-Mann» genannt wird, vorgestellt. Er hegt schon im San Francisco des Jahres 1850 den Plan, den Russen die Halbinsel abzukaufen.

In der aufblühenden Westküstenstadt sucht er Finanziers, schmeißt für seine Mannschaft und Förderer ein großes Fest in einem Hotel, verliebt sich dabei aber auch in die russische Gräfin Marina (Ann Blyth), die vor dem Mann, dem sie versprochen ist, nach Sitka in Alaska fliehen will, wo ihr Onkel Gouverneur ist. Die hübsche junge Frau gibt sich Clark gegenüber aber als Bedienstete der Gräfin aus. Ein bisschen an William Wylers ein Jahr später entstandenen «Roman Holiday»,in dem Peck als Reporter einer Prinzessin heimlich Rom zeigt, erinnern die Szenen, in denen Clark der Gräfin San Francisco zeigt. Schwer getroffen ist er aber, als die Angebetete, die eben noch die Hochzeit versprochen hat, plötzlich verschwindet und er ihre wahre Identität erfährt.

Gleichzeitig zieht sich schon durch diese Szenen der Konflikt zwischen Clark und seinem Kollegen Manuel (Anthony Quinn), der «Der Portugiese» genannt wird, als Raubein und Dieb gilt, auf dem Fest Uhren klaut oder Clarks Mannschaft shanghait.

Rund die Hälfte des Films spielt in San Francisco, doch ungemein schwungvoll und leichthändig inszeniert Walsh. Knapp und markant zeichnet er die verschiedenen Charaktere und schafft auch einprägsame Nebenfiguren wie Clarks besonnenen Bootsmann Deacons (John McIntire), den wortkargen Steuermann von den Aleuten oder die Dienerin der Gräfin.

Souverän baut der Altmeister mehrere Konfliktfelder auf und wechselt zwischen den Genres. Bald ist das ein Abenteuerfilm um zwei raubeinige Robbenjäger, bald wird daraus ein romantischer Liebesfilm und dann spielen wieder politische Interessen herein. Wo Manuel freilich nur der ungehobelte Seefahrer ist, zeigt Clark als Mann von der Ostküste zwei Seiten, kann bald roh sein und sich mit Manuel im Armdrücken messen, bald mit der Hochfinanz verhandeln.

Und schließlich wird – wohl auch unter der antisowjetischen Stimmung der McCarthy-Ära – der Gegensatz zwischen Russen und Amerikaner durchgespielt. Adel trifft hier auf Bürgertum und dem demokratischen und liberalen Clark steht russisches Klassendenken und ein autoritäres Regime, das die Untertanen foltert, gegenüber. Am deutlichsten Tritt der antirussische Impetus im Blick auf die Robbenjagd zu Tage, denn während den Russen unterstellt wird die Robben wahllos abzuschlachten und damit die Existenz der Spezies zu bedrohen, reklamiert Clark für sich, darauf zu achten den Bestand der Herde nicht zu gefährden.

Auf diesen ersten Teil, der aufgrund der brillanten Farbfotografie von Kameramann Russell Metty und den Kostümen von Bill Thomas auch ein Fest fürs Auge ist, folgt eine Wettfahrt zwischen Clark und Manuel nach Alaska. An die Stelle von Dialogen und Personenzeichnung tritt damit Action auf der hohen See, ehe es im dritten Teil in Sitka zur direkten Konfrontation mit dem russischen Prinzen, der die Gräfin entführt hat, kommt.

Pralles Abenteuerkino ist Walsh hier gelungen, der das Ganze freilich selbst nicht allzu ernst nimmt. Da prügeln sich Clark und Manuel in den unmöglichsten Situationen, um im nächsten Augenblick doch wieder Freunde zu sein, und Clark nimmt es seinem Bootsmann auch nicht übel, wenn dieser ihn mal niederschlägt.

Glaubwürdig sind diese Wendungen sicher nicht immer, aber «Sturmfahrt nach Alaska» will eben auch kein todernster und realistischer Film sein, sondern vor allem flottes und lustvolles Kino. Das gelingt Walsh nicht nur durch den souveränen Mix aus romantischer Liebesgeschichte und Abenteuer prächtig, sondern auch aufgrund der bestens gelaunten Stars. Ideal besetzt ist Clark mit dem Gentleman Gregory Peck ebenso wie Manuel mit dem kraftvollen und rohen Anthony Quinn und Ann Blyth sorgt für einen optischen Aufputz, der für Clark/Peck schließlich – entsprechend dem Originaltitel - «The World in His Arms» ist.

An Sprachversionen bieten die bei Explosive Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen eine etwa zehnminütige schwarzweiße Super-8-Fassung, den amerikanischen und den deutschen Trailer sowie eine Bildergalerie.

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