The Killing - Die Rechnung ging nicht auf

30.08.2018 Walter Gasperi

Ein Gangster will mit einer Handvoll Helfern die Kasse einer Pferderennbahn ausrauben. Der Plan ist perfekt durchdacht, doch dann geht alles schief. – Stanley Kubricks 1956 gedrehter meisterhafter dritter langer Spielfilm ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Auf einer Pferderennbahn beginnt dieser Mix aus Heist-Movie und Film noir. Ein Off-Erzähler stellt einen Besucher vor, der zwar gewettet hat, aber am Ausgang des Rennens nicht interessiert ist. Bald springt der Film zu einem Polizisten, der dringend Schulden zurückzahlen muss, dann zum Gangster Johnny Clay (Sterling Hayden), der nach fünf Jahren Haft soeben aus Alcatraz entlassen wurde, weiter zum Barkeeper der Rennbahn, der sich zu Hause um seine kranke Frau kümmert, und schließlich zum Kassier des Wettbüros, der in seiner kleinen Wohnung von seiner enttäuschten Frau gedemütigt wird, aber trotzdem um ihre Liebe kämpft.

Zusammengehalten werden diese fünf Charaktere und Schauplätze durch den nüchtern-distanzierten Off-Erzähler, der immer wieder genaue Angaben zum Zeitpunkt des Geschehens gibt. Unter der Leitung Johnnys will die Gruppe fünf Tage später bei einem hochdotierten Rennen die Kasse der Rennbahn ausrauben. Zwei Millionen Dollar Beute sind zu erwarten.

So minutiös alles durchgeplant ist, so messerscharf und mit der Präzision eines Uhrwerks ist die Inszenierung dieses mit dem schmalen Budget von 330.000 Dollar gedrehten Meisterstücks. Kein Wort und kein Bild zu viel gibt es hier, knapp und hart sind die Dialoge des Krimiautors Jim Thompson, mit äußerster Ökonomie und größter Verdichtung erzählt der 1999 verstorbene Stanley Kubrick.

Vernichtend ist in dem von Kameramann Lucien Ballard in harten und ungeschönten Schwarzweißbildern gefilmten Thriller der Blick auf die Menschen und das Leben. Materialismus steht über allem und die Gier der Frau des Kassiers wird zur Katastrophe führen. Während ihr Mann ein ängstlicher und naiver Schwächling ist, treibt den Polizisten die Spielsucht zum Verbrechen, der Helfer, der seine Wohnung zur Verfügung stellt, gefährdet dagegen den Beutezug mit seiner Trunksucht. – Perfekt in die Handlung integriert sind die prägnanten Charakterstudien dieser Kleinbürger, die nur kleine, aber wesentliche Aufgaben in dem großen Plan zu erfüllen haben, dafür aber großzügig entlohnt werden sollen.

Nur Johnny bleibt cool, bewahrt die Übersicht und doch wird am Ende das Geld wie das Gold in John Hustons «The Treasure of the Sierra Madre» vom Winde verweht werden. Mit Hustons Filmen, an dessen «Asphalt Jungle» sowohl Handlung als auch Hauptdarsteller Sterling Hayden erinnern, verbindet «The Killing» auch die fatalistische Grundstimmung. Vergeblich ist hier alles menschliche Streben, das Ziel wird nie erreicht, am Ende stehen Tod oder Gefängnis.

Über Hustons Film geht «The Killing» aber durch den brillanten Aufbau hinaus. Kubrick erzählt nämlich nicht linear, sondern mittels des Off-Erzählers aus den Perspektiven der fünf am Überfall Beteiligten. Die Chronologie wird damit aufgebrochen, statt mit Parallelmontage, erzählt er mit exakten Zeitangaben versehen hintereinander, was gleichzeitig passiert.

Etwa fünfmal sieht man so die entscheidende Szene beim siebten Rennen, doch da hier die Blickrichtung immer wieder verschoben ist und damit andere Details ins Zentrum rücken, erhöht sich die Spannung dadurch sogar. – Kein Gramm Fett hat dieser Film, der auch entscheidend Quentin Tarantinos «Reservoir Dogs» und «Pulp Fiction» beeinflusste, seit seiner Uraufführung vor 62 Jahren angesetzt, besticht immer noch mit seiner schlackenlosen, ungemein dichten Inszenierung.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den amerikanischen und den deutschen Trailer sowie eine Bildergalerie.

Trailer zu «The Killing - Die Rechnung ging nicht auf»

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