Ariane - Liebe am Nachmittag

27.09.2018 Walter Gasperi

Eine unschuldige und unerfahrene Pariser Studentin verliebt sich in einen deutlich älteren amerikanischen Frauenheld, der nur auf kurze Affären aus ist. – Billy Wilders 1957 gedrehte, immer noch charmante, aber auch etwas langatmige romantische Liebeskomödie ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Aus dem Off stellt ein Erzähler Paris als Stadt der Liebe vor, in der sich einerseits die Menschen überall öffentlich küssen, andererseits aber auch in den Hotels heimlich geliebt wird. Charmant und von feiner Ironie durchzogen ist dieser Auftakt mit einer raschen Abfolge unterschiedlichster küssender Paare.

Sogleich outet sich auch der Detektiv Chavasse (Maurice Chevalier) als Sprecher und informiert über seinen jüngsten Auftrag, bei dem er die Gattin eines verreisten Pariser Geschäftsmann observiert, da diese sich nachts mit dem berüchtigten amerikanischen Frauenheld Frank Flannagan (Gary Cooper) in einem Hotelzimmer im Ritz trifft.

Als der gehörnte Ehemann die Informationen erhält, will er Flannagan erschießen, doch Ariane (Audrey Hepburn), die Tochter des Detektivs, verhindert dies, indem sie Flannagan warnt und in die Rolle der Gattin schlüpft. Nur wenig braucht es, dass sich die unschuldige Studentin in den deutlich älteren Amerikaner verliebt.

Dieser sieht in ihr freilich nur eine weitere kurze Affäre, ist er doch gegen feste Beziehungen, die nur Kummer und Schmerz bringen. Doch indem Ariane, deren Namen Flannagan erst ganz am Ende erfährt, selbst mit zahlreichen erfundenen Affären prahlt, gelingt es ihr, den Playboy eifersüchtig zu machen.

Weitgehend mit dem Detektiv, Ariane und Flannagan kommen Billy Wilder und sein bevorzugter Drehbuchautor I. A. L. Diamond bei ihrer Verfilmung von Claude Anets 1920 erschienenem Roman «Ariane, jeune fille russe» aus. Nicht auf Dynamik und Tempo setzen sie, sondern arbeiten mit Wiederholung und Variation.

Mit 130 Minuten ist diese romantische Liebeskomödie, die fast zur Gänze in der Wohnung von Ariane und ihrem Vater sowie im Hotelzimmer, in dem sich Flannagan und Ariane jeweils nachmittags treffen, spielt, denn auch reichlich lang geraten, dennoch wird auch 61 Jahre nach der Uraufführung immer noch charmante Unterhaltung geboten.

Wilders Gespür für den richtigen Ton, die feine Ironie, die auch im Musikeinsatz zum Ausdruck kommt, und die geschliffenen Dialoge sorgen ebenso wie Details am Rande wie eine Zigeunerkapelle, die nicht nur im Hotelzimmer, sondern auch am Seineufer oder in einem türkischen Bad, für Flannagan die jeweils gleichen Lieder spielt, oder Arianes platonischer Freund Michel dafür, dass man gerne und immer wieder schmunzelnd der Handlung folgt.

Wesentlich trägt dazu freilich auch die wunderbar natürlich agierende Audrey Hepburn bei. Gary Cooper mag mit seinen 55 Jahren nicht die Idealbesetzung für den Frauenheld gewesen sein – er sprang nach Absagen von Cary Grant und Yul Brynner ein -, aber glänzend harmoniert er doch mit seiner Filmpartnerin. Wie Wilder hier zunächst Ariane trauern lässt, weil Flannagan mit ihr nur eine kurze Affäre haben will, während sie in ihm die große Liebe ihres Lebens sieht, dann sie ihn in die Eifersucht treibt und schließlich er sie zu Tränen rührt, indem er sie cool und emotionslos zurückzulassen scheint, zeugt von inszenatorischer Meisterschaft.

Den Biss und die Durchschlagskraft von anderen Filmen Wilders mag man vergeblich suchen, bewusst sanfte Töne schlägt der sechsfache Oscar-Preisträger an, doch unterschätzen sollte man auch diesen Film nicht, werden doch in leichthändig-eleganter Inszenierung grundsätzliche Beziehungsfragen verhandelt.

An Sprachversionen verfügen die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie über Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den deutschen und den englischen Trailer sowie eine Bildergalerie.

Trailer zu «Ariane - Liebe am Nachmittag»

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